Mut und Lebensfreude nach AVM
Gemeinsam neue Kraft schöpfen und Hoffnung schenken
Meine Geschichte zeigt, wie Fleiß und Hoffnung das Leben verändern können.
Mein Leben vor und nach dem AVM-Schlaganfall
Am 11. Juni 2023 war ich eine gesunde, lebensfrohe Jugendliche. Ich hatte Pläne, Ziele und Träume – wie jedes Mädchen in meinem Alter. Niemand konnte ahnen, dass sich mein Leben an diesem Sommertag innerhalb weniger Augenblicke grundlegend verändern würde.
Während ich mit meinen Geschwistern im Schwimmbad eines Tennisclubs war, erlitt ich eine schwere Hirnblutung. Ursache war eine angeborene Gefäßfehlbildung in meinem Gehirn, eine sogenannte arteriovenöse Malformation (AVM), von der ich bis dahin nichts gewusst hatte.
Ich wurde in die Universitätsklinik Düsseldorf gebracht und notoperiert. Die Operation rettete mein Leben. Doch mit dem Überleben begann ein langer und schwieriger Weg zurück in meinen Alltag.
Die Hirnblutung hatte meine linke Körperhälfte schwer beeinträchtigt. Plötzlich konnte ich nicht mehr selbstständig gehen. Dinge, die zuvor selbstverständlich gewesen waren, wurden zu großen Herausforderungen. Ich musste Bewegungen neu erlernen und mich Schritt für Schritt in ein Leben zurückkämpfen, das von einem Tag auf den anderen ein völlig anderes geworden war.
Die ersten Wochen waren besonders schwer. Nach meiner Behandlung in der Universitätsklinik begann eine rund achtmonatige neurologische Rehabilitation in der Klinik St. Mauritius in Meerbusch. Etwa drei Monate nach der ersten Operation musste ich mich einem weiteren Eingriff am Gehirn unterziehen. Ein speziell für mich angefertigtes Implantat ersetzte den zuvor entfernten Schädelknochen. Zweimal musste ich mich von meinen langen Haaren verabschieden – eine äußerliche Veränderung, die mir zusätzlich vor Augen führte, wie sehr sich mein Leben verändert hatte.
Doch ich wollte mich nicht damit abfinden, was ich alles nicht mehr konnte. Ich wollte selbstständig sein, wieder laufen, zur Schule gehen und meine Zukunft gestalten. Ich wollte nicht einfach eine Prognose akzeptieren, ohne alles versucht zu haben.
Mein Weg zurück war lang. Physiotherapie und Ergotherapie wurden zu einem festen Bestandteil meines Lebens. Jede Bewegung, jeder kleine Fortschritt und jedes Stück zurückgewonnene Selbstständigkeit bedeuteten harte Arbeit. Ich lernte, geduldig zu sein, Rückschläge auszuhalten und trotzdem weiterzumachen. Schon nach etwa sechs Wochen konnte ich wieder gehen.
Während andere Jugendliche ihren Alltag unbeschwert fortsetzten, bestand meiner aus Therapien, Übungen und immer neuen Herausforderungen. Aber ich wollte nicht nur meine körperlichen Fähigkeiten zurückgewinnen. Ich wollte auch mein Leben zurück: meine Schule, meine Freunde, meine Ziele und die Möglichkeit, selbst über meine Zukunft zu entscheiden.
Im August 2024 kehrte ich in den Schulalltag zurück. Ich wollte trotz allem meinen schulischen Weg weitergehen und meine Ziele nicht aus den Augen verlieren. Bis heute mache ich Physiotherapie und Ergotherapie, um meine Beweglichkeit und Sicherheit weiter zu verbessern. Auch wenn ich inzwischen wieder selbstständig und ohne Hilfsmittel mobil bin, ist mein Weg noch nicht zu Ende.
Diese Erfahrung hat mich verändert. Ich weiß heute, wie schnell sich alles ändern kann. Gleichzeitig habe ich gelernt, wie viel Kraft in einem Menschen steckt, der bereit ist, immer wieder aufzustehen und weiterzukämpfen.
Meine Geschichte handelt nicht nur davon, was ich verloren habe. Sie handelt vor allem davon, was ich mir zurückerobert habe.
Die AVM und ihre Folgen gehören zu meinem Leben, aber sie bestimmen nicht, wer ich bin. Ich habe weiterhin Träume, Ziele und große Pläne. Ich möchte Verantwortung übernehmen, mich für andere einsetzen und meine Zukunft selbst gestalten.
Ich weiß nicht, welche Herausforderungen noch vor mir liegen. Aber ich weiß, dass ich ihnen begegnen werde – mit Entschlossenheit, Mut und dem Willen, meine Möglichkeiten immer wieder neu auszuschöpfen.
Denn manchmal verändert ein einziger Tag das ganze Leben. Aber er muss nicht darüber entscheiden, was aus diesem Leben wird.



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